06.09.2025, 12:49
Hallo Binofreunde,
das 150er APM Großfernglas mit seinem Preis und Gewicht, sowie der Anforderung an die Montierung und Stativ sind nur wenigen Enthusiasten vorbehalten. Hat der willige Käufer einen Augenabstand von weniger als 63mm, sollte Er es bleiben lassen. In Summe bleiben nur wenige Käufer übrig, so dass die Gläser auch nur auf Bestellung gefertigt werden.
Die APM Ferngläser der 150er Klasse gibt es als 90° Grad Version mit SD Glas und als 45°Version mit ED Glas. Allerdings sind diese Abkürzungen relativ neu und wurde insbesondere von APM gepusht, weil zu Anfang stand der Begriff „ED“ für alle Vertreter dieser Glasgruppe. Mit „SD“ werden aktuell die Glassorten von OHARA S-FPL53, S-FPL-55 und Hoya FCD-100 zusammengefasst.
Damit soll die etwas bessere Farbkorrektur der SD-Variante hervorgehoben werden. Allerdings ist der Gewinn in der Farbkorrektur von einem Achromaten zu ED-Geräten wesentlich größer, als von ED zu SD-Optiken.
Zudem hängt die gesamte Qualität eines Fernglases oder Teleskops von mehreren Komponenten ab und nicht nur von einer Glassorte.
So habe ich ein BT-120 Achromat mit 45°, bei dem alles passt und dieses Glas macht riesig Spaß. Wie es eben so ist, träumt man von mehr und skaliert im Kopf hoch, was könnte ich mit 150mm Öffnung sehen? Wie viel mehr Qualität bringt das „ED-Objektiv“? Begeisterte Berichte im Netz taten Ihr Übriges um mich als Binofan zu einer Bestellung zu verleiten.
Nun ist das Glas seit Januar bei mir und seit Kurzem „Vorführbereit“.
Eine Nachbesserung und Nachjustage musste vorgenommen werden, um es für meine Augen qualitativ und von der Justage auch für höhere Vergrößerungen einsetzbar zu machen.
Die 120mm Varianten, besonders die SD Ausführungen sind hochwertige und vergleichsweise handliche Großferngläser. Die 120mm Gläser lassen sich noch mit einer Hand balancieren und die Klemmen der Montierungen einsetzen. Das 150mm SD Glas mit 90° fügt sich qualitativ in diese Baureihe ein, ist aber mit einem Gewicht von 21,8kg ohne Okulare das Schwerste aller Gläser. Mit einer Hand geht da nichts mehr!
Mein ED 150mm Glas 45° bringt es auf 18,7kg. Da könnte man sagen, nur drei Kilo Unterschied? Bei Gewichten gibt es jedoch eine persönliche Obergrenze und hier können drei Kilo mehr die Grenze überschreiten. Der Gewichtsunterschied kann nur im Bereich der Prismen und dem Prismengehäuse gefunden werden. Die Kleineren Prismen der 45° Version neigen zur Strahlenbildung um helle Sterne oder Planeten, ähnlich Spikes wie bei Newton Teleskopen üblich. Zudem gibt es gewisses Streulicht um helle Objekte, die eine Kontrastminderung mit sich bringen. Die 90° Version hat andere Prismen und weniger interne Umlenkungen des Lichtwegs, so dass die Eignung für Planetenbeobachtung besser ist.
Generell bevorzugt die Mehrheit aller Beobachter die 90° Version. Warum habe ich mich für die 45° Version entschieden?
- Ich beobachte auf meiner Südostterrasse auch tiefstehende Objekte
- Ganz besonders kommt es auf die Montierungs-Bauweise an. In meinem Fall sitze ich seitlich vom Stativ und kann den Bürostuhl mit Lehne so platzieren, dass ich selbst den Zenit mit dem Fernglas erreiche. Dabei lehne ich gerne den Kopf auf die Lehne in Liegestuhlposition. Gabelmontierungs- oder Videoneigernutzer können diese Position vor dem Stativ sitzend nicht erreichen!
- Gewichts- und Preisersparnis
- Das Ansprechen des Himmels in Sichtlinie der Augen, die über das Fernglas blicken, ist für mich direkter.
- Die Nutzung als Fernglas mit schwacher Vergrößerung steht im Vordergrund. Ich suche nicht das Allroundgenie, das Alles gut kann. Den allerhöchsten Anspruch kann auch das SD Glas nicht erreichen. Die Abstriche an Planetenleistung fülle ich durch Spezialgeräte für diesen Zweck. Das Glas gewichtsmäßig heben zu können, steht bei mir über dem Qualitätsanspruch.
Wer keine anderen Geräte für Planetenbeobachtung nutzen kann oder will, dem sei das 90° Glas als Doppelrefraktor als gute visuelle Lösung empfohlen.
Die höchste Leistung wird hier nach meiner Erfahrung ein hochwertiger Doppelapo mit Matsumoto-EMS Spiegeln entfalten. Die Möglichkeit der Feinjustage am Objekt erlaubt auch höchste Vergrößerungen, die beim Fernglas nur mit Glück zu erreichen sind. Der Nachteil ist die fummelige Anbringung der EMS-Elemente und die Herstellung der Doppelmontage der Apos. Im Umkehrschluss ist das Fernglas sofort einsatzbereit, leichter und auch zweckoptimierter lässt sich ein Doppelteleskop nicht bauen. Die kürzeren Rüstzeiten sind eben der Vorteil des Fernglases. Es ist schneller auf- und abgebaut. Diesem Punkt muss auch jeder Nutzer individuell berücksichtigen. Hinzu kommt das leichte Verstauen und Transportieren in Hartschalenkoffern mit passgenauen Inneneinsatz.
Wie schätze ich die Leistung des 150mm Fernglases ein?
Trotz aller Begeisterung fürs Binoschauen kann auch ein 150mm Fernglas nicht den Anblick von Planetarische Nebeln oder Kugelsternhaufen im großen Spiegel ersetzen. Der Ringnebel ist sicherlich erkennbar, aber im Vergleich zum 16 Zoll ACF enttäuschend.
Mond- und Planetenbeobachtung können mit 140x Vergrößerung Spaß machen, insbesondere unter Einsatz einer Abblendung am Objektiv auf 125mm. Die genannten Auswirkungen der Prismen sind mit der Abblendung drastisch reduziert, allerdings die Farbkorrektur gewinnt dabei nicht, wie man vielleicht glauben könnte.
Richtig gut und praktisch ohne Konkurrenz ist das Beobachten mit schwacher Vergrößerung. Die mitgelieferten 30mm 2“ Okulare sind äußerst Randscharf in der Abbildung. Das erreichbare Feld der 150/840 übertrifft sogar das Feld der 120/660 Ferngläser, die auf 1,25“ beschränkt sind. Für den Spaß braucht es aber guten Himmel, da die Austrittspupille 5,35mm beträgt. Also ein richtig helles Bild, wo auch der Hintergrund bereits aufgehellt erscheint. Dabei aber gewissermaßen magisch leuchtend.
Für meinen Himmel würden 4mm Austrittspupille vermutlich einen besseren Kontrast bringen. Die neuen Emerald Okulare 22mm von Skywatcher könnten eine Lösung sein, wenn der Gehäusedurchmesser die 63mm nicht überschreitet?
Ansonsten tun es die 24mm Panoptik übergangsweise. Die „Magie“ bringen die Gläser bei Brennweiten bis 17,5mm. Außergewöhnlich gut zeigt das 150er Glas Galaxien. Strukturen in M31 können praktisch nicht besser als mit diesem Großglas gesehen werden. M33 steht räumlich vor dem Betrachter. Schwache kleine Galaxien sind erreichbar, die man eigentlich nur in großen Teleskopen erwartet. Beidäugiges Sehen in Verbindung mit Öffnung und Austrittspupille sind in Kombination unschlagbar. Das spielend leichte Erkennen und Erfassen von Kugelsternhaufen oder Sternhaufen sowie Gasnebeln bei schwacher bis mittlerer Vergrößerung macht den Kick. Also „Spazierensehen“ am Himmel und die Objekte fallen sozusagen mühelos ins Auge.
Mehr Vergrößerung macht es nicht wirklich interessanter und der Okularwechsel mit zwei Okularen und anschließend beidäugig nachfokussieren ist ein Zeitfresser. Da es viel zu sehen gibt, kann mit einem persönlich passenden Okularpaar genussvoll beobachtet werden. Hierin liegt der besondere Reiz, ohne Elektronik, ohne GoTo, ohne häufiges Okulare wechseln beidäugig in den Himmel abzutauchen und sich darin zu verlieren.
Die Sterne erscheinen farblich gut gesättigt und leuchten in Ihren Farben. Dazu trägt das Binosehen bei, dass auch in Bezug auf Grenzgröße, Figur der Sterne und dem Trennvermögen von Doppelsternen sehr hilfreich ist.
Die Genussfähigkeit setzt beim Betrachter wie beschrieben eine gewisse innere Haltung, Eignung und Belastbarkeit in Bezug auf Kosten und dem dazugehörigen Auf-und Abbau der Gerätschaft voraus.
Bei Interesse könnt Ihr Euch gerne an mich wenden.
Besten Gruß
Ralf
das 150er APM Großfernglas mit seinem Preis und Gewicht, sowie der Anforderung an die Montierung und Stativ sind nur wenigen Enthusiasten vorbehalten. Hat der willige Käufer einen Augenabstand von weniger als 63mm, sollte Er es bleiben lassen. In Summe bleiben nur wenige Käufer übrig, so dass die Gläser auch nur auf Bestellung gefertigt werden.
Die APM Ferngläser der 150er Klasse gibt es als 90° Grad Version mit SD Glas und als 45°Version mit ED Glas. Allerdings sind diese Abkürzungen relativ neu und wurde insbesondere von APM gepusht, weil zu Anfang stand der Begriff „ED“ für alle Vertreter dieser Glasgruppe. Mit „SD“ werden aktuell die Glassorten von OHARA S-FPL53, S-FPL-55 und Hoya FCD-100 zusammengefasst.
Damit soll die etwas bessere Farbkorrektur der SD-Variante hervorgehoben werden. Allerdings ist der Gewinn in der Farbkorrektur von einem Achromaten zu ED-Geräten wesentlich größer, als von ED zu SD-Optiken.
Zudem hängt die gesamte Qualität eines Fernglases oder Teleskops von mehreren Komponenten ab und nicht nur von einer Glassorte.
So habe ich ein BT-120 Achromat mit 45°, bei dem alles passt und dieses Glas macht riesig Spaß. Wie es eben so ist, träumt man von mehr und skaliert im Kopf hoch, was könnte ich mit 150mm Öffnung sehen? Wie viel mehr Qualität bringt das „ED-Objektiv“? Begeisterte Berichte im Netz taten Ihr Übriges um mich als Binofan zu einer Bestellung zu verleiten.
Nun ist das Glas seit Januar bei mir und seit Kurzem „Vorführbereit“.
Eine Nachbesserung und Nachjustage musste vorgenommen werden, um es für meine Augen qualitativ und von der Justage auch für höhere Vergrößerungen einsetzbar zu machen.
Die 120mm Varianten, besonders die SD Ausführungen sind hochwertige und vergleichsweise handliche Großferngläser. Die 120mm Gläser lassen sich noch mit einer Hand balancieren und die Klemmen der Montierungen einsetzen. Das 150mm SD Glas mit 90° fügt sich qualitativ in diese Baureihe ein, ist aber mit einem Gewicht von 21,8kg ohne Okulare das Schwerste aller Gläser. Mit einer Hand geht da nichts mehr!
Mein ED 150mm Glas 45° bringt es auf 18,7kg. Da könnte man sagen, nur drei Kilo Unterschied? Bei Gewichten gibt es jedoch eine persönliche Obergrenze und hier können drei Kilo mehr die Grenze überschreiten. Der Gewichtsunterschied kann nur im Bereich der Prismen und dem Prismengehäuse gefunden werden. Die Kleineren Prismen der 45° Version neigen zur Strahlenbildung um helle Sterne oder Planeten, ähnlich Spikes wie bei Newton Teleskopen üblich. Zudem gibt es gewisses Streulicht um helle Objekte, die eine Kontrastminderung mit sich bringen. Die 90° Version hat andere Prismen und weniger interne Umlenkungen des Lichtwegs, so dass die Eignung für Planetenbeobachtung besser ist.
Generell bevorzugt die Mehrheit aller Beobachter die 90° Version. Warum habe ich mich für die 45° Version entschieden?
- Ich beobachte auf meiner Südostterrasse auch tiefstehende Objekte
- Ganz besonders kommt es auf die Montierungs-Bauweise an. In meinem Fall sitze ich seitlich vom Stativ und kann den Bürostuhl mit Lehne so platzieren, dass ich selbst den Zenit mit dem Fernglas erreiche. Dabei lehne ich gerne den Kopf auf die Lehne in Liegestuhlposition. Gabelmontierungs- oder Videoneigernutzer können diese Position vor dem Stativ sitzend nicht erreichen!
- Gewichts- und Preisersparnis
- Das Ansprechen des Himmels in Sichtlinie der Augen, die über das Fernglas blicken, ist für mich direkter.
- Die Nutzung als Fernglas mit schwacher Vergrößerung steht im Vordergrund. Ich suche nicht das Allroundgenie, das Alles gut kann. Den allerhöchsten Anspruch kann auch das SD Glas nicht erreichen. Die Abstriche an Planetenleistung fülle ich durch Spezialgeräte für diesen Zweck. Das Glas gewichtsmäßig heben zu können, steht bei mir über dem Qualitätsanspruch.
Wer keine anderen Geräte für Planetenbeobachtung nutzen kann oder will, dem sei das 90° Glas als Doppelrefraktor als gute visuelle Lösung empfohlen.
Die höchste Leistung wird hier nach meiner Erfahrung ein hochwertiger Doppelapo mit Matsumoto-EMS Spiegeln entfalten. Die Möglichkeit der Feinjustage am Objekt erlaubt auch höchste Vergrößerungen, die beim Fernglas nur mit Glück zu erreichen sind. Der Nachteil ist die fummelige Anbringung der EMS-Elemente und die Herstellung der Doppelmontage der Apos. Im Umkehrschluss ist das Fernglas sofort einsatzbereit, leichter und auch zweckoptimierter lässt sich ein Doppelteleskop nicht bauen. Die kürzeren Rüstzeiten sind eben der Vorteil des Fernglases. Es ist schneller auf- und abgebaut. Diesem Punkt muss auch jeder Nutzer individuell berücksichtigen. Hinzu kommt das leichte Verstauen und Transportieren in Hartschalenkoffern mit passgenauen Inneneinsatz.
Wie schätze ich die Leistung des 150mm Fernglases ein?
Trotz aller Begeisterung fürs Binoschauen kann auch ein 150mm Fernglas nicht den Anblick von Planetarische Nebeln oder Kugelsternhaufen im großen Spiegel ersetzen. Der Ringnebel ist sicherlich erkennbar, aber im Vergleich zum 16 Zoll ACF enttäuschend.
Mond- und Planetenbeobachtung können mit 140x Vergrößerung Spaß machen, insbesondere unter Einsatz einer Abblendung am Objektiv auf 125mm. Die genannten Auswirkungen der Prismen sind mit der Abblendung drastisch reduziert, allerdings die Farbkorrektur gewinnt dabei nicht, wie man vielleicht glauben könnte.
Richtig gut und praktisch ohne Konkurrenz ist das Beobachten mit schwacher Vergrößerung. Die mitgelieferten 30mm 2“ Okulare sind äußerst Randscharf in der Abbildung. Das erreichbare Feld der 150/840 übertrifft sogar das Feld der 120/660 Ferngläser, die auf 1,25“ beschränkt sind. Für den Spaß braucht es aber guten Himmel, da die Austrittspupille 5,35mm beträgt. Also ein richtig helles Bild, wo auch der Hintergrund bereits aufgehellt erscheint. Dabei aber gewissermaßen magisch leuchtend.
Für meinen Himmel würden 4mm Austrittspupille vermutlich einen besseren Kontrast bringen. Die neuen Emerald Okulare 22mm von Skywatcher könnten eine Lösung sein, wenn der Gehäusedurchmesser die 63mm nicht überschreitet?
Ansonsten tun es die 24mm Panoptik übergangsweise. Die „Magie“ bringen die Gläser bei Brennweiten bis 17,5mm. Außergewöhnlich gut zeigt das 150er Glas Galaxien. Strukturen in M31 können praktisch nicht besser als mit diesem Großglas gesehen werden. M33 steht räumlich vor dem Betrachter. Schwache kleine Galaxien sind erreichbar, die man eigentlich nur in großen Teleskopen erwartet. Beidäugiges Sehen in Verbindung mit Öffnung und Austrittspupille sind in Kombination unschlagbar. Das spielend leichte Erkennen und Erfassen von Kugelsternhaufen oder Sternhaufen sowie Gasnebeln bei schwacher bis mittlerer Vergrößerung macht den Kick. Also „Spazierensehen“ am Himmel und die Objekte fallen sozusagen mühelos ins Auge.
Mehr Vergrößerung macht es nicht wirklich interessanter und der Okularwechsel mit zwei Okularen und anschließend beidäugig nachfokussieren ist ein Zeitfresser. Da es viel zu sehen gibt, kann mit einem persönlich passenden Okularpaar genussvoll beobachtet werden. Hierin liegt der besondere Reiz, ohne Elektronik, ohne GoTo, ohne häufiges Okulare wechseln beidäugig in den Himmel abzutauchen und sich darin zu verlieren.
Die Sterne erscheinen farblich gut gesättigt und leuchten in Ihren Farben. Dazu trägt das Binosehen bei, dass auch in Bezug auf Grenzgröße, Figur der Sterne und dem Trennvermögen von Doppelsternen sehr hilfreich ist.
Die Genussfähigkeit setzt beim Betrachter wie beschrieben eine gewisse innere Haltung, Eignung und Belastbarkeit in Bezug auf Kosten und dem dazugehörigen Auf-und Abbau der Gerätschaft voraus.
Bei Interesse könnt Ihr Euch gerne an mich wenden.
Besten Gruß
Ralf
